Schwerpunkte + Methoden

Hüftgelenk

Bei Endoprothesen (von griech.: endo "innen") handelt es sich um Implantate, welche dauerhaft im Körper verbleiben und das geschädigte Gelenk ganz oder teilweise ersetzen.

Verankerungsprinzipien

Bezüglich der Verankerung von Endoprothesen im Knochen lassen sich zementfreie von zementierten Prothesen unterscheiden.

Bei der zementfreien Verankerung wird die Primärstabilität durch eine sog. „Press Fit“ Verankerung erreicht. Hierbei wird die Prothesengröße ausgewählt, welche gerade noch in das vorhandene Knochenbett eingepasst werden kann.

Die Langzeitstabilität des Implantates wird über die sekundäre knöcherne Integration erreicht. Der die Prothese umgebende Knochen regeneriert sich im Idealfall und sorgt so für eine stabile Integration der Prothese in den knöchernen Verbund. Man spricht von einer „eingewachsenen“ Prothese.

Bei der zementierten Verankerung wird die Prothese durch Knochenzement fest im Knochen verankert. Der Knochenzement ist ein Zwei-Komponenten-Werkstoff, welcher einen formschlüssigen Verbund zwischen Prothese und Knochen herstellt und so eine rasche Vollbelastbarkeit der Endoprothese ermöglicht.

Prothesendesign

Grundsätzlich lassen sich beim Design von Hüftprothesenschäften zwei verschiedene Philosophien unterscheiden.Sogenannte Geradschäfte verkeilen sich im natürlicherweise gebogenen Oberschenkelknochen typischerweise an mehreren (meistens 3) Punkten.
Anatomische Schäfte hingegen folgen mit ihrem Design der gebogenen Form des Oberschenkelknochens und sorgen so für eine physiologische Krafteinleitung in den Oberschenkelknochen.Für beide Designkonzepte stehen zementfreie und zementierte Prothesenschäfte zur Verfügung.

Die von der Lubinus Klinik entwickelte SPII-Prothese, Fa. Waldemar Link Hamburg, war weltweit der erste zementierbare anatomische Prothesenschaft. Der ebenfalls vor Jahren im Hause Lubinus entwickelte anatomische zementfreie Schaft „SP III“ findet in der hochmodernen Weiterentwicklung “SP-CL“ seinen Nachfolger.

Individualisierte Implantatauswahl

Die patientenindividualisierte Auswahl einer Prothese orientiert sich an mehreren Faktoren:

  • Biologisches Alter
  • Knochenqualität
  • Biomechanik/ Anatomie
  • Begleiterkrankungen
  • Lebensumstände/ Ansprüche an die Belastbarkeit

Um für jeden Patienten die passende Prothese auswählen und implantieren zu können, unterhält das EndoProthetikZentrum ein großes Prothesenlager. Hier kann der Chirurg ständig auf mehrere Prothesenmodelle in vielen verschiedenen Prothesengrößen zurückgreifen. Aufgrund der ungewöhnlich großen Auswahl an vorgehaltenen Designs, Größen und Winkeln kann der Chirurg zur anatomischen Rekonstruktion der ganz individuellen Anatomie aus über 100 Implantaten pro Seite wählen. Ein so vielfältiges und diversifiziertes Lager wird in der heutigen, durch ökonomische Zwänge geprägten Krankenhauslandschaft nur noch selten vorgehalten.

Hüftgelenksverschleiß (Coxarthrose)

Die Arthrose ist eine Erkrankung des Gelenkes, bei der die knorpeltragende Schicht zunehmend dünner wird, bis in einem fortgeschrittenen Stadium ein unmittelbarer Knochenkontakt zwischen Hüftkopf und Pfanne besteht.

Es wird geschätzt, dass in der Bundesrepublik 80% der über 50-Jährigen degenerative Veränderungen des Hüftgelenkes zeigen.

Absterben des Hüftkopfes (Hüftkopfnekrose)

Die Hüftkopfnekrose ist eine Erkrankung, die durch ein Absterben des knöchernen Oberschenkelknochenkopfes gekennzeichnet ist. Ursache ist eine verminderte Durchblutung, die zu einer Nekrose führt. Die genauen Ursachen sind nicht restlos geklärt, gehäuft treten Hüftkopfnekrosen bei Diabetes mellitus und bei starkem Alkoholkonsum auf. Auch eine längere Behandlung mit Corticoiden oder Chemotherapien können eine Knochennekrose zur Folge haben. Hüftkopfnekrosen können auch nach Verletzungen des Hüftkopfes auftreten. Man spricht dann von posttraumatischen Hüftkopfnekrosen. Häufig ist die Entwicklung rapide schnell, wie unser Beispiel zeigt.

Hüftkopfnekrose bei fortgeschrittener Coxarthrose

Patientin 76 Jahre

Schenkelhalsbruch

Der Knochenbruch des Schenkelhalses tritt gehäuft beim älteren Patienten auf. Nur in einigen Fällen ist die Verschraubung des Bruches unter Erhaltung des Hüftgelenkes möglich. In vielen Fällen reißt bei einer Fraktur des Schenkelhalses das zur Versorgung des Hüftkopfes notwendige Gefäß ab, sodass ein Absterben des Kopfes die Folge wäre. Zusätzlich ist eine altersbedingte Osteoporose ein weiteres Problem, da Schrauben häufig nicht ausreichend Halt im Knochen finden. In diesen Fällen ist die Implantation einer Endoprothese notwendig, um die Gehfähigkeit sicher wieder herzustellen.

Fehlanlage des Hüftgelenkes (Dysplasie)

Die unvollständige Ausbildung des Hüftgelenks ist eine der häufigsten angeborenen orthopädischen Erkrankungen. Mädchen bzw. Frauen sind davon häufiger betroffen als Jungen bzw. Männer. Wird sie im Säuglingsalter und in der Kindheit nicht ausreichend behandelt, treten im meist jungen Erwachsenenalter erste Beschwerden auf. Diese sind Ausdruck beginnenden Verschleißes, da Hüftkopf und Gelenkpfanne nicht schlüssig zueinander passen. Im Verlauf der Erkrankung entsteht eine Arthrose. Um diese möglichst lange hinauszuschieben oder gar zu vermeiden, besteht anfänglich die Möglichkeit, eine Umstellungsoperation des betroffenen Knochens (Becken- oder Oberschenkelknochen) durchzuführen. Bei fortgeschrittenem Verschleiß ist die Versorgung mit einer Endoprothese notwendig.

Knochenbrüche bei einliegender Prothese (periprothetische Fraktur)

Wenn ein Knochen in direkter Nähe zu einer implantierten Prothese bricht, spricht der Chirurg von einer periprothetischen Fraktur. In diesem Falle stehen je nach Art und Ort des Bruches unterschiedliche Versorgungsmöglichkeiten zur Auswahl.

1. Wechsel der Prothese auf ein längeres Implantat
2. Einbringen einer Platte
3. Ersatz des Oberschenkelknochens mit sonderangefertigten Implantaten

Da zur Versorgung dieser Frakturen ein spezielles "know how" notwendig ist, steht im Lubinus Clinicum 24 h/365 Tage im Jahr ein Oberarzt der endoprothetischen Abteilung für die Versorgung dieser Verletzungen zur Verfügung.

Endoprothetische Versorgung nach fehlgeschlagener Osteosynthese

Bei Versagen einer Osteosynthese nach einem Knochenbruch (Marknagel, Platte mit Schrauben, Verschraubung) muss in seltenen Fällen ein Verfahrenswechsel durchgeführt werden. Das bedeutet, dass Schrauben oder Marknägel etc. entfernt werden und stattdessen eine Prothese implantiert wird.

nicht verheilter Schenkelhalsbruch nach Verschraubung

Verfahrenswechsel auf eine Hüfttotalendoprothese

Andere Erkrankungen der Hüfte
Erkrankungen mit fehlender Kongruenz zwischen Hüftkopf und Hüftpfanne

Erkrankungen der Hüfte, bei denen ein Mißverhältnis von Gelenkkopf und -pfanne resultiert, z.B. die kindliche Hüftkopfnekrose (Perthes-Erkrankung) oder die Epiphysenfugenlösung. Diese können im Spätstadium ebenfalls zu einer fortgeschrittene Arthrose führen, welche dann häufig mit einer Endoprothese versorgt werden muß.

Rheumatische Erkrankung des Hüftgelenkes

Es gibt verschiedene rheumatische Erkrankungen. Alle haben gemeinsam, dass durch die Entzündung der Gelenkschleimhaut der Knorpel geschädigt wird, was ebenfalls in eine Arthrose münden kann.

Postinfektiöse Arthrose des Hüftgelenkes

Durch eine Entzündung des Hüftgelenkes mit Bakterien, selten auch Pilzen, kann es zueiner starken Schädigung des Knorpels kommen, die zu einer Arthrose führt.

Pertrochantäre Femurfraktur

Unter einer pertrochantären Femurfraktur versteht man einen Knochenbruch, welcher am körpernahen Ende des Oberschenkelknochens zwischen dem großen Rollhügel (Trochanter major) und dem kleinen Rollhügel (Trochanter minor) verläuft. Bei vorbestehendem Hüftgelenkverschleiß oder bei der Unfähigkeit des Patienten teilzubelasten, kann die Implantation einer Hüftprothese mit zusätzlicher Osteosynthese des Trochanter majors sinnvoll sein.

präoperativ

präoperativ

postoperativ

postoperativ

Fortgeschrittene osteochondrale Läsionen des Hüftgelenkes

Osteochondrale Läsionen sind kombinierte Schädigungen des Gelenkknorpels und des umgebenden Knochengewebes. Im Endstadium der Erkrankung kommt es zum Absterben von Knorpel-Knochen-Bezirken, so dass in manchen Fällen auch freie Gelenkkörper entstehen können. Bei fortgeschrittenen Befunden kann die Implantation einer Hüftprothese sinnvoll sein.

präoperativ

präoperativ

postoperativ

postoperativ

Prothesenlockerung

Lockerungen von zementierten und zementfreien Prothesen führen zu Schmerzen in dem betroffenen Gelenk. Prothesenlockerungen können durch periprothetische Infektionen (sog. sept. Lockerung) oder durch mechanische Ursachen ohne begleitende Infektion (sog. aseptische Lockerung) hervorgerufen werden. In beiden Fällen ist vor einer Wechseloperation eine Punktion des betroffenen Gelenkes zur Gewinnung von Gelenkflüssigkeit erforderlich. Die mikrobiologische Laboruntersuchung der Gelenkflüssigkeit zeigt dann, ob eine Infektion des Gelenkes vorliegt. In Abhängigkeit dieses Befundes erfolgt anschließend die Planung der Prothesen-Wechseloperation. Hierbei kommen ebenfalls je nach Befund zementierte (v.a. bei septischen Lockerungen) oder zementfreie Revisions-Prothesenkomponenten zum Einsatz.

Lockerung eines zementfreien Hüftprothesenschaftes, typischer Lockerungssaum an der Prothesen-/Knochengrenze:

Lockerung eines zementierten Hüftprothesenschaftes, typischer Lockerungssaum an der Knochen-/Zementgrenze:

Der Ersatz des gesamten Oberschenkels von der Hüfte bis unter das Kniegelenk (Totales Femur – TOFEM)

präoperativ

Planung

postopertiv

Weitere Schwerpunkte

  • Bestimmte Formen der pertrochantären Oberschenkelfraktur
  • Angeborene Deformitäten des Hüftgelenkes (Coxa vara et valga)
  • Entzündliche Hüftgelenkserkrankung
  • Entzündliche (septische) Hüftprothesenlockerung
  • Totaler Oberschenkelersatz nach mehrfach fehlgeschlagenen Endoprothesen